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Bewertung: 5,00 von 5

Im Kino: "Der Marktgerechte Mensch"

Crowdworking drückt die Löhne und Billig-Lohn-Länder unterbieten sich gegenseitig – zum Nachteil der Beschäftigten. Dieser Film ist ein Appell an die Politik, für gerechtere Beschäftigungsverhältnisse zu sorgen.

Von: Roderich Fabian

Als "Der Marktgerechte Mensch" 2019 gedreht wurde, war in Deutschland noch der britische Fahrrad-Lieferdienst „Deliveroo“ am Start. Also sehen wir Fahrer, die als scheinselbständige „Subunternehmer“ damals kaum Arbeitsrechte besaßen und bei einem Unfall ohne Schutz dastanden. Während der Dreharbeiten stellte Deliveroo im vergangenen August den Service in Deutschland ein, angeblich weil dieser Markt nicht lukrativ genug war. Regisseurin Leslie Franke erinnert sich: "Das wusste keiner, dass Deliveroo entscheidet, sich aus Deutschland zurückzuziehen."

 Die Beschäftigten von Deliveroo hätten die Information am Montag bekommen - und am Ende der Woche waren sie ohne Lohn und Brot, erzählt Leslie Franke. "Der Marktgerechte Mensch" wolle genau das zeigen. In Deutschland gäbe es nämlich keine Regelung, die Arbeitsschutz ermögliche, sagt die Regisseurin. Ausländische Firmen könnten einfach herkommen und ihre Programme mit den Leuten durchziehen.

Prekäre Verhältnisse bei H&M

Auch zeigen uns die Autoren Angestellte des Textilhändlers H&M, die vor einer Münchner Filiale gegen die Hire-and-Fire-Politik ihres Arbeitgebers protestieren. Die partielle Beschäftigung auf Stundenbasis macht ein solides Einkommen unmöglich. Im Film bestätigt das eine H&M-Betriebsrätin. 

"Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die durch Hartz 4 aufstocken müssen."

Saskia Stock, H&M Betriebsratsvorsitzende

Das Gehalt, das am Ende des Monats bleibt, reiche oft nicht für das Existenzminimum, sagt Saskia Stock von H&M. „Der marktgerechte Mensch“ zeigt aber nicht nur diverse deregulierte Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland, er geht auch auf die Folgen der Globalisierung für den europäischen Arbeitsmarkt ein.

Autor Herdolor Lorenz erzählt zum Beispiel, dass es auch um die Näherinnen in Osteuropa geht. Die hätten inzwischen nämlich schlechtere Arbeitsbedingungen als in Bangladesh. Selbst dort ziehe sich das Kapital aber wieder zurück, sagt Herdolor Lorenz. Zum Beispiel nach Äthiopien. Dort gäbe es eben noch günstigere Bedingungen, weil die Menschen nur halb so viel verdienen wie in Bangladesh. "In Äthiopien werden jetzt gerade riesige Fabriken aufgebaut für die Textilindustrie. Was in unseren Innenstädten verkauft wird, kommt zum größten Teil schon aus Äthiopien", erzählt der Autor.

"Der Marktgerechte Mensch" behandelt auch das Thema "Crowdworking"

Obendrein gibt`s auch noch einen Exkurs zum "Crowdworking", also einem Thema, das allein schon eine Stunde füllen könnte. Gemeint ist die weltweite Online-Ausschreibung von letztlich mies bezahlten Tätigkeiten, die im Film der amerikanische CEO Lukas Biewald in den höchsten Tönen feiert: "Für jede Aufgabe finden Sie auf der Welt die richtige Person, die mit den besten Fähigkeiten und die mit dem niedrigsten Preis."

Demonstration gegen H&M im Film "Der Marktgerechte Mensch"

"Der Marktgerechte Mensch" möchte möglichst vieles von dem zusammentragen, was faul ist an der modernen Arbeitswelt. Und dabei haben sich die Filmemacher dann vielleicht auch etwas übernommen, aber letztlich geht es Leslie Franke ja auch um das große Ganze.

"Das ist das, was wir versuchen, in diesem Film zu machen: Zu erklären, dass es da einen Zusammenhang gibt, zwischen diesen neuen Arbeitsmodellen des Kapitalismus und der Vereinzelung, der Ent-Solidarisierung", sagt Leslie Franke. Das alles habe Auswirkungen auf den Einzelnen wie auf die Gesellschaft. "Die Leute werden krank."

Nun sag, wie stehst du zu deiner Arbeitswelt?

Natürlich ist es auch eine Generationenfrage, wie man zur deregulierten Arbeitswelt steht. Jüngere Leute haben sich längst an befristete Verträge gewöhnt. Und die Tatsache, dass man im Arbeitsleben nicht an ein einziges Unternehmen gebunden ist, sondern sich „flexibel“ im Arbeitsmarkt bewegt, mag manchen auch entgegenkommen.

Aber die Filmemacher sehen in der allseits zu beobachtenden "Liberalisierung" des Marktes vor allem ein Übel. Leslie Franke und Herdolor Lorenz sind verdiente Aktivisten, die sich Verhältnisse wie in der Zeit vor den Deregulierungswellen der 80er Jahre zurückwünschen. Und tatsächlich gehören ihre Forderungen mal wieder auf die Tagesordnung, zum Beispiel die der EU. Sozialversicherungspflicht, 40 Stunden Arbeitswoche, Unbefristete Verträge. Herdolor Lorenz glaubt: "Wenn solche Dinge einfach mal geregelt werden würden - und das ist ja nichts, was aus der Welt gegriffen ist - würde nicht die Welt zusammenbrechen".

   

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