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Kritik zu Der marktgerechte Mansch

Konsumkapitalismus und die Folgen: Leslie Franke und Herdolor Lorenz skizzieren die Veränderungen am Arbeitsmarkt

Vor einem Jahr prangerten Leslie Franke und Herdolor Lorenz in »Der marktgerechte Patient« die Missstände unseres Gesundheitssystems an. Wo Zeit Geld ist, hieß damals ihr Fazit, leidet vor allem die Qualität. In »Der marktgerechte Mensch« weitet das rührige Duo nun den Blick aufs große Ganze. Wo Arbeit prekär ist und die Zukunft immer weniger planbar, lautet diesmal die Quintessenz, gerät das soziale Gefüge in gefährliche Schieflage.

Beispiele dafür gibt es viele – bei den Fahrradkurieren etwa, mit denen der weitläufige Interviewreigen beginnt, in der Textilbranche und inzwischen auch im Wissenschaftsbetrieb. Die Maxime, wonach Leistung und Einsatzbereitschaft automatisch zum Erfolg führen, gilt in diesen Berufszweigen schon lange nicht mehr. An die Stelle von tariflich organisierter Arbeit und einem verantwortungsvollen Miteinander von Arbeitgebern und Beschäftigten sind Zeit- und Werkverträge getreten, Leiharbeit, Jobs auf Abruf. Wie aber sollen Arbeitnehmer ihre Biografien planen, wenn sie nicht mal wissen, wie viele Stunden ihnen der Algorithmus für die kommende Woche zuteilen wird?

Obwohl man wisse, dass es allen so gehe, sagt ein Uni-Lehrbeauftragter, habe man das Gefühl, man wäre allein. Die Vereinzelung ist das große Thema von »Der marktgerechte Mensch«. Sie kommt im schnell wachsenden Freelancertum zum Ausdruck, aber auch in den Trends zur körperlichen und spirituellen Selbstoptimierung. Und selbstverständlich in der Abhängigkeit vom Smartphone. Wenn aber die meisten nur noch als Einzelkämpfer unterwegs sind, leidet die Solidarität. Vom marktgerechten Menschen bis zum marktgerechten Patienten ist es da nur noch ein kleiner Schritt.

In handwerklicher Hinsicht ist dieser mit Crowdfunding-Mitteln entstandene »Film von unten« einfach gestrickt. Was ihm an ästhetischer Vision fehlen mag, macht er jedoch mit Herzblut wett. Ans Ende setzen Franke und Lorenz einige positive Beispiele – utopische Gegenentwürfe, die auf sozialverträgliche Arbeit setzen.

   

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