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Der marktgerechte Menscch

Der Mensch als Ware? Das ist eine Konsequenz der Veränderungen, die die kapitalistischen Systeme seit Jahren umwälzen und immer mehr Menschen in mehr oder weniger prekäre Arbeitsverhältnisse zwingen. In „Der Marktgerechte Mensch“ stellen Leslie Franke und Herdolor Lorenz zahlreiche Beispiele für diese neuen Arbeitswelten vor, aber auch Ansätze, sie zu verändern.

FILMKRITIK:

Outsourcing, Crowdworker, Gig-Economy. Das sind einige der – nicht zufällig englischen – Begriffe, mit denen die neuen Arbeitswelten bezeichnet werden, in denen sich immer mehr Menschen wieder finden, die wenigsten freiwillig. Kuriere für Lieferdienste etwa, die nicht mehr einen festen Stundenlohn erhalten, sollten nur pro erfolgreicher Auslieferung einer Ware bezahlt werden, nach einem kaum verständlichen Algorithmus.
 
Eine Folge der Bequemlichkeit vieler Menschen, die immer mehr Waren im Internet bestellen, damit zum einen zur Umweltbelastung beitragen, zum anderen zur ständigen Ausweitung der so genannten Gig-Economy. „Wir sind mit dem Algorithmus allein“ sagt dazu ein Lieferfahrer treffend, wobei besonders das Alleinsein nicht nur den Arbeiter isoliert, sondern auch die Vernetzung wenn nicht verhindert, so doch stark erschwert. Und das ganz bewusst wie Wirtschaftswissenschaftler längst erkannt haben, denn die Unternehmen versuchen auf diese Weise zu verhindern, dass sich die Arbeiter der Gig-Economy zusammentun, Gewerkschaften gründen und bessere Arbeitsverhältnisse durchsetzen.
 
Arbeiteten vor 20 Jahren noch fast zwei Drittel der Deutschen in Vollzeit, sind es heute nur noch knapp 38%. Doch das Versprechen auf Unabhängigkeit, individuelles Arbeiten, frei bestimmbare Zeitfenster hat für viele Selbstständige einen hohen Preis. Was oft als Vorteil verkauft wird, ist vor allem ein Vorteil für die Arbeitgeber, die weniger festes Personal beschäftigen, weniger Steuern zahlen, weniger Sicherheiten bieten.
 
Unterschiedlichste Formen dieser neuen wirtschaftlichen Alltäglichkeit stellen Leslie Franke und Herdolor Lorenz in ihrer Dokumentation „Der Marktgerechte Mensch“ vor, ein Nachfolger zu „Der Marktgerechte Patient". Dort hatte das Duo sich mit den Veränderungen des Gesundheitssystems beschäftigt, aufgezeigt, wie Krankenkassen an Gesundheitsleistungen sparen, Ärzte Profit machen und der Patient, der Mensch immer mehr zu kurz kommt. Nun weiten sie ihren Blick auf das gesamte kapitalistische System, das in einem kaum 100 Minuten langen Film natürlich nicht in Gänze zu erfassen ist.
 
Das Aufzählen von vielen individuellen Beispielen lässt „Der Marktgerechte Mensch“ daher zwangsläufig immer wieder wie Stückwerk wirken, eine sich durch den ganzen Film ziehende Argumentation, wie etwa zuletzt in der ebenfalls stark kapitalismuskritischen Piketty-Verfilmung „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ findet sich hier nicht. Vor allem als Basis für nachfolgende Diskussionen bietet sich die Dokumentation daher an, die mit ihren vielen kleinteiligen Beispielen für die Missstände der kapitalistischen Systeme, aber auch für Ansätze, das System zu verändern und menschlicher zu machen, viel Stoff zum Nachdenken bietet.
Michael Meyns
 
   

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