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"Der marktgerechte Mensch": So asozial werden Arbeitnehmer ausgebeutet

Der marktgerechte Mensch läuft am 16. Januar in den deutschen Kinos an

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Deutschland - Diese Doku wird für viele Diskussionen sorgen! "Der marktgerechte Mensch" (Kinostart am 16. Januar) von Leslie Franke und Herdolor Lorenz blickt hinter die Kulissen des Arbeitsmarktes, der sich immer schneller dreht.

Wissenschaftliche Mitarbeiter demonstrieren vor dem Bundesministerium für Bildung und Forschung in Berlin gegen immer neue befristete Verträge und schlechte Bezahlung.
Wissenschaftliche Mitarbeiter demonstrieren vor dem Bundesministerium für Bildung und Forschung in Berlin gegen immer neue befristete Verträge und schlechte Bezahlung.

Der Film zeigt auf, wie sehr Arbeitnehmer ausgebeutet- und als menschliche Ware behandelt werden, die irgendwann "entsorgt" wird.

Der erste Protagonist ist dafür das perfekte Beispiel. Lukasz kam 2016 nach Deutschland und arbeitet zu Beginn als Fahrer für Deliveroo. Angestellt ist er dort aber nicht.

Er muss sich aufgrund des äußerst fragwürdigen Systems als Freelancer durchschlagen. Seine Steuern und Krankenkassenbeiträge muss er daher selbst zahlen.

Dazu ist er einem Computersystem ausgeliefert: Ein Algorithmus errechnet, wie viel er pro Bestellung verdient. Lukasz muss hoffen, dass der ihm die wenigen guten Schichten zuteilt, denn nur in diesen verdient man ganz gut und macht Gewinn.

Er hat also keine Planungssicherheit und arbeitet isoliert von seinen Kollegen - dahinter steckt natürlich eine Strategie: Die Fahrer sollen sich nicht zusammenschließen und über die widerwärtige Ausbeutung sprechen.

Die ist nämlich Normalität. Als Lukasz einmal einen Unfall hatte und mit einer Gehirnerschütterung ein paar Tage ausfiel, wurde er zurückgestuft, bekam also schlechtere Schichten zugewiesen und hatte Probleme, seine Miete zu bezahlen und einzukaufen.

 
 
 

"Der marktgerechte Mensch" sorgt für ein hintergründiges Verständnis des Arbeitsmarktes

Die Kunstperformance "1000 Gestalten" zum G20-Gipfel 2017 in Hamburg war ein Zeichen des kreativen Protests für mehr Menschlichkeit und Eigenverantwortung.
Die Kunstperformance "1000 Gestalten" zum G20-Gipfel 2017 in Hamburg war ein Zeichen des kreativen Protests für mehr Menschlichkeit und Eigenverantwortung.

Im Juli 2019 zog sich Deliveroo dann aus Deutschland zurück. Am Montag wird Lukasz darüber informiert. Am Freitag ist er arbeitslos.

Schicksale wie seine gibt es in der heutigen Zeit zuhauf. Immer mehr Menschen sind befristet angestellt. Wissenschaftliche Mitarbeiter bekommen beispielsweise nur eine einmonatige Verlängerung. Der Wettbewerb und der Konkurrenzdruck sind also groß, das Stresslevel extrem hoch.

Mitarbeiter von "H&M" demonstrierten beispielsweise gegen Flexverträge. Auf ihren Plakaten steht vielsagend: "Heute nützlich & morgen Müll!"

So wie ihnen geht es vielen Personen. Franke und Lorenz begeben sich auf die Spuren dieses Systems, das für viele soziale Missstände verantwortlich ist und decken dabei viele Dinge hintergründig auf.

Sie lassen etliche interessante Menschen ihre Geschichten erzählen. Experten sorgen dann mit ihren Aussagen für ein zusammenhängendes Verständnis dieses komplexen und vielschichtigen Themas.

Auch die Folgen von arbeitsbedingtem Stress zeigen sie auf. Einige Personen erzählen nämlich, wie sie irgendwann an dem anhaltenden Druck zerbrachen und nicht mehr konnten.

"Der marktgerechte Mensch" deckt viele Missstände im System auf

Dietrich Weinbrenner (r.) mit einer äthiopischen Näherin. Vor Ort bekam er Einblicke in den schrecklichen Arbeitsalltag der Textilfabriken.
Dietrich Weinbrenner (r.) mit einer äthiopischen Näherin. Vor Ort bekam er Einblicke in den schrecklichen Arbeitsalltag der Textilfabriken.

Den Machern gelingt es also auch, Sensibilität für diese universelle Thematik zu erschaffen. Denn wie schon in "Der marktgerechte Patient" (2008) beschäftigen sie sich mit großen und aktuellen Fragen, die viele Menschen tagtäglich betreffen.

Zudem macht der Film auch Hoffnung, weil er zeigt, dass es einen Wandel gibt, sich immer mehr Arbeitnehmer zusammenschließen und gegen dieses asoziale System, das nachweislich der menschlichen Natur widerspricht, aufbegehren.

Einige Unternehmen agieren als Trendsetter und legen Wert auf flache Hierarchien, demokratische Entscheidungen und einen sozialen Umgang mit- und untereinander. Auch das wird gezeigt.

Dennoch gibt es genug Gegenbeispiele. Wenn in äthiopischen Nähfabriken schlecht bezahlte Arbeiterinnen (27 Dollar im Monat) viele Stunden auf ihrem Platz sitzen, nicht trinken, nicht auf Toilette gehen und keine Pause machen, weil ihre Reihe sonst weniger schafft, ist das erschütternd.

So ist "Der marktgerechte Mensch" eine wichtige Dokumentation geworden, die viel zur anhaltenden Diskussion um einen sich wandelnden Arbeitsmarkt beiträgt, weil sie hintergründig und abwechslungsreich beleuchtet, wie komplex diese Thematik ist.

 

   

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