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Neue Sozialmodelle in Zeiten der flexiblen Arbeit

Zweifellos werden die Betriebe mit Gemeinwohlbilanz nicht so schnell die Welt erobern, ebenso wie die flexibilisierte und prekäre Arbeit nicht so schnell aus dieser Welt verschwinden wird. Im Gegenteil, „die Digitalisierung der Wirtschaft wird viele weitere Vollzeitjobs mit Routinearbeit vernichten. Wir brauchen z.B. bald keine Anwälte mehr, die sich durch Urteilssammlungen quälen, um Zitate zu finden. Das erledigen Maschinen. Den Menschen bleiben jene Tätigkeiten, bei denen auf menschliche Fähigkeiten nicht verzichtet werden kann. Und diese Arbeiten werden wohl mehr flexibel sein und z.T. wie die Pflege der Eltern kaum bezahlt werden“, sagt Helgo Klatt vom Hamburger Netzwerk bedingungsloses Grundeinkommen. „Wir müssen unsere Gesellschaft absichern in den Zeiten der Digitalisierung," pflichtet auch Telekom-Chef Timotheus Höttges bei. Man brauche ungewöhnliche Lösungen für den Erhalt des Sozialsystems. Das „bedingungslose Grundeinkommen“ könne beispielsweise durch die Besteuerung der Gewinne großer Internetkonzerne finanziert werden, deren Produktivität zunehmend an die Auswertung von Daten gekoppelt sei. Helgo Klatt ist sogar der Meinung, das Grundeinkommen könne ein Nullsummenspiel werden. Denn es werde ja stets mit den bestehenden Einkommen verrechnet, und nur bei Mindereinnahmen seien Zuzahlungen nötig. Deren Kosten könnten schon durch den Wegfall des Zwangs- und Kontrollapparats von Hartz IV, Wohngeld etc. eingespart werden. Der Markt der Almosenverteiler und Kontrolleure habe zuletzt 849,2 Milliarden Euro betragen, das sind 10.500 € pro Bürger im Jahr! „Und wir wollen ja nicht die Arbeit abschaffen, sondern die Arbeit vom Zwang befreien. Wenn die Menschen die Wahl haben zu arbeiten, es aber nicht müssen, dann arbeiten sie mit mehr Freude und sind leistungsbereiter.“

Noch herrscht allerdings eine weitverbreitete Skepsis gegen dieses Konzept des Grundeinkommens vor. Die einen behaupten, dass solche Zahlen die Abschaffung der Sozialversicherung und des Arbeitgeberanteils voraussetzten. Andere fürchten, dass Grundeinkommen würde die Prinzipien der Leistungsgesellschaft unterminieren und sei auch zu teuer.

In Portugal unter der neuen Regierung geht man zwar nicht ganz so weit. Weil aber auch hier seit der Arbeitsmarktreform Leiharbeit, Zeitarbeit und Minijobs überhand nehmen, will man die Unternehmen zumindest dazu zwingen, die vollen Sozialabgaben für jeden dieser flexibilisierten Jobs zu zahlen. Damit könnte langfristig die Sozialversicherung für Gesundheit und Renten gesichert werden.

In den USA sagt der Arbeitsmarktexperte Steven Hill voraus, dass in 10 Jahren die Hälfte aller amerikanischen Berufstätigen einer prekären Beschäftigung nach Art der Crowdworker und der Gig-Economy nachgehen wird – ein „Crowdworker“ sitzt irgendwo am Internetcomputer, loggt sich bei der Plattform „Mechanical Turk“ ein und bekommt einen Auftrag: Kleidungsstücke in Onlineshops einsortieren, Werbetexte für Möbel zu schreiben oder für die US- Schulbehörde entscheiden, welche Bilder auf der Schul-Internetseiten gezeigt werden dürfen. Dabei wird er ständig bewertet. Fällt die Bewertung unter 75%, bekommt er nur noch schlechter bezahlte Jobs. In der „Gig-Economy“ informiert eine App über mögliche Aufträge. Auch hier dasselbe System der digitalen Bewertung. Auch hier fehlt jede Sozialversicherung und jeder Rechtsschutz. Dies rüttele bereits kräftig an den Grundfesten der US Arbeitswelt. Um einer sozialen Katastrophe zu entgehen, schlägt Hill die Einrichtung einer staatlichen Versicherung vor, die sich an dem Vorbild der deutschen Künstlersozialkasse orientieren könnte.

   

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