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"Geschlafen wird am Monatsende"*

Benno Fries ist Trucker, für die nächsten sieben Tage ist er wieder auf Tour. Hamburg - Dortmund – Leipzig - Berlin - die ersten Stationen heute – die entscheidende Verzögerung schon am Rossmann-Lager in Kiel/Melsdorf, wo das Aufladen doppelt so lange braucht, weil dort jemand wegen Krankheit ausgefallen ist. Am Dispatcher – Schalter sind die Papiere noch nicht fertig. Maulig wird Benno angefahren, er solle seinen LKW aus dem Weg räumen. Nach ständigem Hin und Her kann er endlich nach einer dreiviertel Stunde durchstarten. Für eine Frühstückspause ist jetzt keine Zeit mehr. Erst in viereinhalb Stunden darf er wieder Pause machen. Am meisten regt ihn aber auf: „Wir sind keine Menschen mehr. Uns kann man beschimpfen, beleidigen, rumschieben. Das tut weh“.

Um Mitternacht, geht er für seine erste warme Mahlzeit in den Rasthof. Dort sitzen ein paar Trucker mit Wut im Bauch. Sie beklagen sich über ihre Arbeitgeber und die südosteuropäischen Kollegen. Ein dänischer Fahrer hat herausgefunden, dass sein Spediteur eine Briefkastenfirma in Schleswig-Holstein gegründet hat, um die viel strengeren dänischen Transport-Tarifvereinbarungen mit den laxen deutschen zu umgehen. Und bald sei das gar nicht mehr nötig, Brüssel will sowieso alle nationalen Begrenzungen abschaffen. Die Langdistanztouren werden jetzt nur noch von Osteuropäern gemacht. Die seien richtige Lohndrücker, empört sich ein Holländer. „Die können von den 300€ in ihrem Land leben wie die Könige, aber was mit uns wird, ist denen doch scheißegal!“. Jetzt kann sich ein tschechische Fahrer nicht mehr halten: „Wieso sind wir daran schuld? Bei euch will doch keiner unter unseren Bedingungen arbeiten. Wir bekommen nur 20% eures Normal-Lohnes. Ja, Eure deutschen Spediteure zahlen uns das, „Nord-Süd“, DB-Schenker. Seit 3 Monaten bin ich von meiner Familie getrennt, warte tagelang auf Fracht. Komm mich mal besuchen in Hamburg. Schau, wie ich in meinem Truck tage- manchmal wochenlang ausharren muss!“.

2.300 € Brutto plus Spesen ist Bennos Lohn, aber nicht mehr lange, wenn Brüssel tatsächlich alle nationalen Begrenzungen aufhebt. Die Arbeitszeit beträgt offiziell 9 Std. pro Tag, darf aber auch 13 Std. und dreimal wöchentlich sogar 15 Std. betragen. Und selbst diese Höchstgrenzen übertreten flächendeckend viele Spediteure mit manipulativen Tricks. Über die EU-weit geregelten Lenk-und Ruhezeiten amüsieren sich alle. Kaum zu durchschauen weder für Polizisten noch Fahrer, weil hochkompliziert ausgefeilt. Und ein Musterbeispiel für Lobbyismus. Bisher hat noch keine deutsche Regierung die Frage nach einer sozialeren Gestaltung der Arbeitszeitregelung angepackt. „Wir sind rollende Zeitbomben, gefährden die Verkehrssicherheit“, erregt sich Benno. „Da werden die Fahrer bei Spezialkontrollen zu Strafgebühren verdonnert, nicht der Spediteur. „Aufbegehren ist nicht, dann kann ich gleich meine Papiere abholen. Wenn ich weg bin, warten 3 osteuropäische Fahrer auf den Job.“

*Geschlafen wird am Monatsende, Titel eine Buchs von Jochen Dieckmann, Piper 2011

   

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